Darmflora und Stammzelltransplantation

Die Rolle intestinaler Mikrobiota in der Pathogenese der akuten Graft-versus-Host-Erkrankung bei Patienten nach allogener Stammzelltransplantation

  • Daniela Weber
  • Andre Gessner
  • Ernst Holler
Schlagworte: Medizin, Darmflora, Stammzelltransplantation, Graft-versus-Host

Abstract

Die akute Graft-versus-Host-Erkrankung des Darms (graft-versus-host disease, GvHD), eine Abstoßungsreaktion von transplantierten Spender-Immunzellen gegen den Empfänger, stellt nach wie vor eine der schwerwiegendsten Komplikationen der allogenen Stammzelltransplantation (SZT) dar und ist mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden. Bei einer SZT werden Blutstammzellen eines gesunden Spenders auf einen z. B. an akuter Leukämie erkrankten Patienten übertragen. Serielle Untersuchungen der Darmflora (Mikrobiom = Gesamtheit aller den Menschen oder andere Lebewesen besiedelnden Mikroorganismen) zeigten im Verlauf der SZT sowie bei Auftreten einer GvHD einen Verlust der bakteriellen Vielfalt (Diversität) des intestinalen Mikrobioms und einen Shift hin zu einer pathogenen Monoflora. Insbesondere der Verlust der natürlichen Darmflora mit protektiven (kommensalen) Bakterien wie den Clostridien sowie deren protektive Stoffwechselprodukte korrelierte mit einer signifikant erhöhten GvHD-assoziierten Mortalität und einem reduzierten Gesamtüberleben. Einen wesentlichen Risikofaktor hierfür stellt der meist unvermeidliche Gebrauch von Breitspektrum-Antibiotika für die Prophylaxe und die Therapie von Infektionen dar. Diese neuen Einblicke in die Rolle der intestinalen Bakterien (Mikrobiota) für die Pathophysiologie der akuten Darm-GvHD lösten ein Umdenken über mögliche Mechanismen aus, wie protektive Mikrobiota besser geschützt bzw. wiederhergestellt werden können. Mögliche Optionen hierfür stellen der fäkale Mikrobiota-Transfer („Stuhltransplantation“), der Gebrauch von Clostridien-schonenden Antibiotika oder der Einsatz von Lebensmitteln, welche das Wachstum kommensaler Bakterien fördern (Präbiotika) dar. Mithilfe dieser Strategien könnten zukünftig Patienten mit SZT besser vor dem Auftreten einer akuten GvHD des Darms geschützt oder auch bei GvHD therapiert werden.

Veröffentlicht
2018-06-05